
Volldampf trotz Krise: Certuss schafft neue Azubi-Stellen
Krefeld · Während angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage viele Ausbildungsstellen gestrichen werden, stellt der Krefelder Spezialist für Dampferzeuger acht neue Azubis ein. Wieso das Unternehmen diesen Weg wählt und welche Vorteile es sich erhofft.
Die wirtschaftliche Situation ist herausfordernd – und das ist noch positiv ausgedrückt. Aber genau darum geht es Tim Leuchtmann, der im Krefelder Unternehmen Certuss für das Personal verantwortlich ist. Um Optimismus in schwierigen Zeiten und neue Impulse durch junge Kollegen. Und so kam der Teamleiter HR relativ kurzfristig auf die Idee, mehr Ausbildungsstellen anzubieten.
„Das war quasi eine Last minute-Entscheidung, die wir Ende 2025 getroffen haben und die viel zusätzliche Arbeit in kürzester Zeit erfordert hat“, erinnert sich Leuchtmann. Doch warum der ganze Aufwand, noch dazu so kurzfristig? „Wir haben uns überlegt, wie das Unternehmen langfristig gut aufgestellt sein kann und was es dazu braucht. Dabei war uns ein Punkt wichtig: die Bindung zum Betrieb. Wir wollen, dass sich unsere Mitarbeiter als Teil des Unternehmens fühlen und sehr gut in alle Bereiche vernetzt sind. Das erreicht man am besten, wenn man den Nachwuchs selbst ausbildet“, erklärt Leuchtmann.
Auch wenn extern angeworbene Facharbeiter ebenfalls gut eingearbeitet werden könnten, sei dies nicht nur sehr aufwendig, sondern immer noch von der Vernetzung her anders als bei einem im Betrieb ausgebildeten Mitarbeiter. „Ich verspreche mir viel von den Gesprächen, die wir regelmäßig mit den jungen Leuten führen wollen. Es wird interessant, ihre Ideen, Verbesserungsvorschläge, aber auch ihre kritischen Einwände zu hören“, sagt der Teamleiter.
So startete die Personalabteilung mit Volldampf ins neue Jahr, präsentierte den Betrieb auf Ausbildungsmessen und schaltete auf die Schnelle noch Anzeigen für Ausbildungsstellen, besonders in den neuen kaufmännischen Berufen. Über 20 Jahre ist es her, dass solche Ausbildungen bei Certuss angeboten wurden. Und was die Dampf-Spezialisten besonders überraschte: In fast allen Bereichen bewarben sich weit über 100 junge Leute. 30 davon wurden zu einem Assessment-Center eingeladen, acht fangen im September ihre Ausbildung an, zwei im technischen Bereich, zwei als Industriekaufleute, zwei als Fachkräfte für Lagerlogistik und zwei als Kaufleute für Büromanagement.
„Wir bilden für den eigenen Bedarf aus und hoffen, alle neuen Auszubildenden bei uns halten zu können“, erklärt Leuchtmann, der davon ausgeht, dass sich der Facharbeitermangel künftig eher ausweiten als verbessern wird. In Zusammenarbeit mit Siemens wird die technische Ausbildung nicht nur bei Certuss, sondern auch in den Siemens Ausbildungswerkstätten stattfinden. Geplant ist außerdem eine enge und persönliche Betreuung, um den Start ins Arbeitsleben zu erleichtern. Leuchtmann ist auch weiterhin voller Optimismus: „Ich freue mich auf die Zeit, die jetzt kommt. Das wird spannend.“
(bk mua)
Rheinische Post, 19.08.2026

